• Mama

4.000 STUFEN WAHRE LIEBE

Stellt euch mal vor, ihr seid im 5. Monat schwanger. Stellt euch mal vor, ihr seid mit eurem Mann im Urlaub. Stellt euch mal vor, dieser geliebte Mann ist ein Sportverrückter. Und dann sage ich euch: Diese Kombi ist eine wirklich, wirklich ungemütliche! Aber mal von vorne.


Die griechische Festung Palamidi liegt im Stadtgebiet von Nafplio (Peloponnes) und auf einem 216 Meter hohen Berg. Eines Morgens offenbarte mir mein Mann beim Frühstück: „Heute möchte ich diese 1.000 Stufen rauf. Mit je einer Kniebeuge pro Stufe.“ Ja, ich weiß, das klingt völlig verrückt, aber diese ungewöhnliche Form des Sportes ist eben seine ganz große Leidenschaft (riesige Steine durch die Gegend tragen und Bäume stemmen übrigens auch).


Wir kamen also bei dieser Festung an. Die Kulisse war wirklich traumhaft schön. Die Sonne, die langsam am Untergehen war, das glitzernde Meer im Hintergrund. Ich schnappte mir eine Flasche Wasser und wanderte diese fast 1.000 Stufen eine nach der anderen hoch. Trotz Babypassagier im Bauch war das keine große Sache für mich. Erstens war ich selbst noch gut trainiert und zweitens war das Tempo natürlich bescheiden. Mein Mann ging ja – wie in seiner Vorstellung schon ausgemalt – auf jeder einzelnen Stufe in die tiefe Hocke und wieder hoch. Tausend Mal!


Und was soll ich sagen?! Er hat es tatsächlich geschafft! Er ist diese Festung in Kniebeugen hochgegangen! Gut, es hat etwas länger gedauert, als geplant, aber er hat sein Vorhaben bravourös umgesetzt. Es dämmerte mittlerweile und dann sagte er plötzlich zu mir: „Ich kann nicht mehr runter!“ Wie, er kann nicht mehr runter??? „Meine Beine krampfen, ich kann die Stiegen nicht mehr runtergehen“, verdeutlichte er die scheinbar aussichtslose Situation. „Ich brauche Zucker! Dringend.“


„Alter Schwede, echt jetzt?“, musste ich sehr laut ausrufen, stampfte aber schon im gleichen Atemzug diese 1.000 Stufen wieder runter. Unten begab ich mich auf die Suche nach einem Kiosk, bei dem ich allerdings nur einen Schokoriegel und ein Fanta kaufen konnte. Ja, und dann ging ich jede einzelne Stiege wieder hoch zu meinem geliebten Mann, der schon sehnsüchtigst auf mich (und das Süße) wartete. Die Handytaschenlampe als Begleitung, weil es mittlerweile schon stockdunkel war.


Als der Zucker dann seine Wirkung entfaltete, trug ich, schwangere Frau mit 1,62m Körpergröße, meinen Mann - 1,95m und 100kg - auf meine Schultern gestützt wieder 1.000 Stufen runter. Leute, ich sag’s euch: DAS WAREN 4.000 STUFEN WAHRE LIEBE!



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