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50 SHADES OF MÄH

Zum Valentinstag vor 6 Jahren schenkte mir mein Mann wunderschöne Unterwäsche von Agent Provocateur. Seidig, elegant, verboten sexy. Die war natürlich Hauptdarstellerin einer aufregenden Nacht. Letztes Jahr, 2 Kinder später, gab’s nach 5-jähriger (Geschenke-)Abstinenz doch endlich wieder mal eine Überraschung in Form von langstieligen, roten Rosen. Ein Klassiker, der bei (den meisten) Frauen ganz gut ankommt.


Nachdem ich im Keller nach einer passenden Vase gesucht habe (ich brauchte die in den vergangenen Jahren ja schließlich nie), stellte ich das monströse, duftende Gebinde auf den Esstisch. Ich muss zugeben, Blumen haben mein Herz ja noch nie sonderlich erweicht. Viel zu teuer für die kurze Lebensdauer, das Abschneiden der Enden mühsam, oft mit stechenden Dornen. Und das Wasser ist auch ständig zu wechseln. Weil tut man es nicht, dann stinkt es bald recht unangenehm. Gut, wie man sieht, für Schnittblumen konnte ich mich noch nie richtig begeistern.


„Sind die für mich??“, strahlte mein Sohn die Blumen an, als er damals vom Kindergarten nach Hause kam. „Was ist für dich?“, wollte ich meine irrwitzige Vermutung noch einmal bestätigt wissen. „Das da!“, zeigte er auf den Strauß roter Rosen und lächelte dabei. Er ging doch tatsächlich davon aus, dass ich diese Blumen als Geschenk für ihn gekauft hatte. Süß. Und geschenkeverwöhnt eben, das ist er nämlich wirklich. Gut, woher sollte er auch wissen, dass das ein etwas ungewöhnliches Geschenk für einen nicht ganz 4-Jährigen wäre. Er kennt doch keine Buschga-Geschenke (für meine deutschen Freunde: „Buschga“ ist ein wunderschönes Dialektwort für „Buschen“.)


„Nein, die sind für mich von deinem Papa! “ Er schaute mich etwas ungläubig an.

„Warum?“, wollte er wissen.

„Ähm, weil er mich lieb hat!“

„Teilst du die mit mir? Wie der Heilige Martin?“, schaute er in meine Richtung.

„Okay... Ja, kann ich gerne machen! Was tust du denn mit den Rosen?“

Er überlegte kurz, ich sah sofort, dass er gerade einen genialen Plan ausheckte. „Die brauch’ ich für die Schafe! Meine Schafe liiiiiieben Blumen!“


Er fütterte seine Tiere – egal ob aus Stoff oder von Schleich – immer leidenschaftlich und pflichtbewusst mit selbstgekochter Papiersuppe. Oder verschrumpelten Pflanzen, die im Garten herumlagen, oder zu Neujahr auch mit gefundenen Raketenresten.


Tja, und so teilte ich letztes Jahr meine 25 Rosen mütterlich auf – 13 zu 12, zu seinen Gunsten, versteht sich. Wieder einmal ein sehr gutes Beispiel dafür, dass eine Mama nur noch selten im Leben auch vollends Frau dafür aber immer Mutter ist, finde ich. Aus dem sinnlichen Abend à la „50 Shades of Grey“ von vor 6 Jahren wurde also kurzerhand eine „50 Shades of Mäh“-Fütterung der kindlichen Schafherde. Ich brachte ihm dann übrigens auch noch den Seiden-BH. Als Futterkrippe. Den brauch’ ich vermutlich eh nie wieder. Mahlzeit.



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