• Mama

CORONA TOURETTE BINGO

„Wo is diese deppate Schere, bitte?“

Früher war die arme, unschuldige Schere nicht bescheuert. Früher war sie einfach „die Schere“. Nichts weiter. Auch, wenn wir nach ihr suchten. Wie kommt sie also zu diesem neuen Attribut und fragwürdigen Status? Schuld ist mit Sicherheit Corona. Weil Corona ist in letzter Zeit irgendwie ja an allem schuld.

Ich muss zugeben, seit wir zuhause ständig aufeinander hocken, leiden wir alle an einer speziellen Form des Tourette Syndroms. Also, wir haben natürlich nicht wirklich eine Erkrankung des Nervensystems, die sich durch Tics und dem unkontrollierten Ausrufen von Lauten und Schimpfwörtern äußert. Wir leiden wohl eher an temporärem Corona Tourette.

„Das ist der falsche Liptauer. Wie lange kennst du mich eigentlich schon?“ Selbst da hört man die Kraftausdrücke zwischen den Zeilen ziemlich eindeutig, oder? Ungemütlich. Diese Aussage stammt von mir, ich kann deshalb bestätigen, dass ich in Wahrheit fluchen wollte. Eigentlich hätte ich gerne noch ein oder zwei gepflegte Schimpfwörter eingebaut. Hab‘ ich dann aber nicht. Den Kindern zuliebe. Die heb‘ ich mir für die Walnüsse auf, die auf der wöchentlichen Einkaufsliste standen, aber im Einkaufssackerl fehlten. Die Beschimpfung folgt dann abends, wenn die Kinder schlafen.

Unser Sohn kann mit Schimpfwörtern noch nichts anfangen. Vom Kindergarten hat er mal kurzfristig ein „Gagamüll“ mit nach Hause gebracht. Ich weiß bis heute nicht, was das eigentlich sein soll. Schmutzige Windeln oder wie? Er hat es ziemlich originell eingesetzt. Wo es für ihn gerade passte. Egal. Aber auch bei ihm orte ich unterschwellige, coronaspezifische Tourettezüge. Das schaut dann in etwa so aus: „Lesen!“ Dabei schleudert er einem das 3 Kilo schwere Tierbuch fast auf die Nase. Deshalb meine Vermutung, er meint höchstwahrscheinlich: „Scheiße, mir ist langweilig! Lesen wir jetzt das verdammte Buch? Oder was?“

Mein Mann ist da meistens wesentlich kontrollierter als ich. Vor allem, was negative Emotionen angeht. Von ihm kommt eher ein „Ich bin mal am Klo!“, wenn er am Rande des Nervenzusammenbruchs steht. In diesen 30 Minuten reagiert er sich wahrscheinlich irgendwie anders als mit Schimpfen und Fluchen ab. Aber da müsste ich ihn mal genauer dazu befragen. Im Moment fehlt mir aber die Muse, mich ernsthaft für seine Toilettenpraktiken zu interessieren.

Heute ist Sonntag. Ende der Woche 3 im Hausarrest. Eigentlich sind wir keine ausfällige und schimpfende Familie, deshalb ist es nun wirklich an der Zeit, sich verbal und auch nonverbalen wieder ein bisschen zurückzunehmen. Schließlich wissen wir nicht, wie lange das Ganze noch dauert und welche Steigerungsmöglichkeiten es dazu noch gibt. Und, das ist fix, es strebt auch keiner von uns den ersten Platz beim Familien Corona-Tourette-Bingo an. A la „Wer verwendet an diesem Tag alle Schimpfwort- und Kraftausdruck-Klassiker wie Scheiße, verdammt, Depp usw. als Erster?“ Nein, das ist bestimmt nicht unser erklärtes Ziel. Weil: Unsere Kleine lernt gerade jeden Tag mindestens ein neues Wort. Schlechter Zeitpunkt also. Der denkbar schlechteste Zeitpunkt sogar, um seinen aktiven Wortschatz zu bilden! Was wird wohl aus unserem süßen Mäuschen einmal werden, wenn die Krise vorbei ist?!?! Eine pöbelnde Wirtshausrauferin vermutlich.

Übrigens, die Schere habe ich bis heute nicht gefunden. Irgendwo in unserem Drecksloch muss dieses Scheißding doch liegen, verdammt! B-I-N-G-O!



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