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GASTBEITRAG - DIE APOKALYPSE: HOME OFFICE MIT KINDERN

Nein, das Corona-Virus wird uns nicht den Weltuntergang bescheren. Home Office mit Kids wird unser Armageddon!

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen

Schon klar, jetzt müssen wir alle ein bisschen kürzertreten. Uns an die Regeln halten, kooperativ sein. Und als Familie zusammenrücken. Aber so nah? Echt jetzt? Den ganzen Tag wuseln sie um einen herum, die Großen wie die Kleinen und daneben sollen wir arbeiten? Vielleicht noch 40 Stunden pro Woche? Jetzt rechnen wir doch bitte mal genau nach: Eine Woche mit Kindern hat doch insgesamt nicht einmal 40 Stunden! Glaub ich.

Sprechen wir über die Vormittage

Puh, der erste Stress des Tages wäre mal bewältigt. So gegen 11 Uhr oder so. Die Kleinsten der Familie sind mit Lebensmittel-Ähnlichem versorgt und auf die Mindesthygienestandards gesetzt. Sprich, jeder hat sein Marmeladebrot gegessen und die Zahnbürste zumindest kurz in der Hand gehabt. Also kann man sich ja – nachdem der Küchentisch noch abgeräumt wurde, denn der ist ja jetzt der Arbeitsplatz – endlich an den PC setzen. Dass die Kleinen seit dem Aufstehen streiten, ist nämlich nicht so wild. Da muss man nur die dämliche Netflix-Serie, die sie seit der Ausgangssperre in Dauerschleife gucken, laut genug drehen. Dann hört man das gar nicht. Also Laptop hochfahren – bis das völlig Unerwartete passiert: Der Teenager kommt viel zu früh (um 11:30 Uhr) aus seinem stinkigen Zimmer. Er hat Hunger. Und das lässt er einen wissen. Nicht unbedingt charmant, aber dafür umso deutlicher.

Jetzt aber ran an den Speck

Na gut, bis das uralt Gerät endlich hochgefahren und man am Firmenserver eingeloggt ist, kann man dem großen Kind auch noch schnell das Frühstück richten. Der muss ja einen Bärenhunger haben, immerhin hat er das letzte Mal gestern – ähm heute – um 2 Uhr in der Früh Popcorn in der Mikrowelle gemacht. Und die Uhrzeit weiß ich ganz genau. Das merkt man sich, wenn man von poppenden Maiskörnern geweckt wird. Warum noch mal ist der jetzt schon wach? Egal, stellen wir ihm eben das Essen hin. Auch im Wohnzimmer ist es erstaunlich ruhig geworden. Die Lautstärke der Netflix-Serie steht zwar nach wie vor bei 95 Dezibel, aber die gegenseitigen Beschimpfungen der Kinder sind nicht mehr zu hören. Entweder die Stimme der beiden ist weg oder die beiden sind weg. Einfach nicht nachschauen und die Emails abarbeiten.

Einer schreit doch immer

Was ist das jetzt? Ein Schatten hinter mir. Auf der Terrasse. Rennt vorbei. Und noch einmal. Was ist da draußen los? Ich drehe mich nicht um. Ich kenn das aus dem Fernsehen. Schau nicht hin, sonst passiert was Schreckliches! Wenn du hinschaust, bist du mittendrin im Thriller. Wieder ein Schatten. Ich fürchte, ich bin schon mittendrin! Und es ist leider kein Psychothriller. Es sind die Kinder! Ein Kind schreit: „Puh!“ zu mir rein. Zwei Kinder lachen. Die zwei scheinen sich gerade nicht zu streiten. Wie schön! „Mamaaaaaaaa!“ Doch nicht schön! Ein Kind schreit. Es weint fürchterlich. „Was ist denn los, Schatzi?“, frag ich nach. Er hat sich mit der Spitzhacke ins Schienbein geschlagen. Während sie vor der Terrassentür hin- und hergerannt sind. Mit Spitzhacke in der Hand! Hätte ich doch mal hingesehen!

Sie haben 687.415 neue Emails

Die Blutung ist gestillt, die Überlebenschancen stehen gut, also wieder zurück an die Arbeit. Und warte nur, die erste Email habe ich gleich mal beantwortet! Um 12:30 Uhr. Was? Scheiße, ich muss mich ja ums Mittagessen kümmern. Gut, neue Strategie, ich sehe mir die Absender aller Nachrichten an und dann rufe ich einfach während des Kochens an und frage, was in den E-Mails steht. Wir fangen beim Chef an. Der redet eh gern. Was mache ich heute zu essen? Nudeln mit Butter wären mal was. Das geht schnell und daran haben sich eh schon alle gewöhnt in den letzten zwei Nudeln-mit-Butter-Wochen. Klasse Idee! Während des Telefonats mit dem Chef geht gleich mal das Nudelwasser über. Das macht nichts, ich höre es nicht einmal, weil ich im Badezimmer eingesperrt bin. Der Fernseher ist einfach zu laut. Sonst kann ich nicht telefonieren. Während ich geduldig das Nudelwasser aufwische, erfahre ich, was ich nie wissen wollte: Nämlich, warum der Teenager schon soooo früh munter ist. Er hatte eine Pflichtveranstaltung der Schule. Auf Microsoft Teams oder so was, erklärt er mir. Bitte, komm zum Punkt! Er kennt sich mit den Aufgaben, die er bekommen hat, nicht aus. Ach, wär er doch lieber nicht zum Punkt gekommen. Ok, ich schau mir das gleich an.

Am Nachmittag starte ich richtig durch!

Jetzt haben wir unsere Nudeln mit Butter gegessen. Die Laune ist top, also erledigen wir schnell die Teenager-Aufgaben und dann ran an die Arbeit. Achso, den Küchentisch muss ich ja noch abräumen. Von den Hausaufgaben vom Großen versteh ich gleich mal gar nichts. „Mach halt einfach irgendwas!“ Wird schon gutgehen. So bin ich ja auch durch die Schule gekommen. Er mault mich an. Ich maule zurück. Dann erinnere ich mich, dass der Arme doch sicher nur müde ist. Der hat ja schon um 11:30 heute aufstehen müssen. Außerdem habe ich eh zu tun. Also verlasse ich das stinkende Zimmer und erspare mir das obligatorische „Du solltest mal wieder aufräumen!“, beim Rausgehen. Es ist 14 Uhr. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten. Die Kleinen spielen wieder im Garten. Sie essen Regenwürmer und Käfer. Das passt gut, das ist das Eiweiß, das ihnen bei den Nudeln mit Butter abgeht. Irgendwoher müssen sie es ja nehmen. Die Email vom Chef hatte sich mit dem Telefonat erübrigt, zwei weitere habe ich einfach gelöscht, somit stehe ich bei 3 erledigten von 687.615. Geht dahin! Ich schau die Absender durch und finde weitere 10, die ich getrost löschen kann. Wenn ich den Absender nicht kenne, tu ich sie mal weg. Jetzt in Zeiten von Social Distancing braucht man auch nicht plötzlich neue Email-Bekanntschaften. Wer weiß, wo das hinführt…

Word, my Love

Emails sind ja nicht gerade das Kerngebiet meiner Arbeit (warum schaue ich sie dann eigentlich überhaupt durch?), also öffne ich jetzt mal Microsoft Word und beginne, zu schreiben. Das ist ja eigentlich meine Aufgabe. Die Kleinen sind schon wieder am Streiten. Von der Eiweiß-Zufuhr draußen haben sie wohl einen Kraft-Schub. Einer will ein Puzzle machen, der andere will UNO-Spielen. Und beide wollen das mit mir machen. Mein Text ist ohnehin Scheiße, also finden wir einen Kompromiss. Jeder weiß, was es heißt, in der Familie einen Kompromiss zu schließen, oder? Zumindest einer weint. Meist weinen alle. Heute aber nur einer, weil wir zuerst ein Puzzle und machen und dann UNO spielen. Und das ist total unfair. Er macht nicht mit beim Puzzle. Er schmollt und schaut fern. Kurz hatte ich gehofft, dass beide weinen und schmollen und ich weder puzzeln noch UNO spielen muss, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Mein mieser Pressetext muss also warten. Ich bin ganz nervös, weil ich Angst habe, dass irgendjemand über die offenstehende Terrassentür ins Haus einsteigen könnte. Und dann schaut der auf meinen Screen und liest, was ich da für einen Mist zusammengeschrieben habe. Ich verlasse also kurz die Puzzle-Szene, um den Laptop runterzufahren. Oh, was für ein Glück, er ist sowieso abgestürzt. Wahrscheinlich schmollt er auch, weil ich ihn ständig auf später vertröste.

Abends, halb sieben in Österreich

Als ich ins Wohnzimmer zurückkomme, sitzen beide schon wieder vor dem Fernseher. Ich schleiche mich wieder raus, um dem PC endlich ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken. So recht ergiebig war das heute noch nicht. Der Große schlapft daher. Er hat Hunger. Er hat ja von den Nudeln mit Butter nichts gegessen, weil er vom Frühstück noch voll war. Ich frage mal die Kleinen, ob sie auch schon Abendessen haben wollen. „Ja!“ Und was? „Vielleicht Nudeln mit Butter?“ Die Kleinen hören schon längst nicht mehr zu, der Große erklärt mir, dass ich mit meinen Nudeln brausen gehen kann. Also schaue ich mal, was der Kühlschrank so hergibt. Mittlerweile ist es 18 Uhr. Ich habe insgesamt 14 Emails gelöscht – ähm bearbeitet – und einen extra schlechten PR-Text runtergetippt. Wenigstens ist er nicht zu lange geworden. Wenn ein Text schon so grottig ist, dann soll niemand zu viel davon lesen müssen! Das passt also schon. Einer der Kleinen plärrt, weil wir ja nie UNO gespielt haben. Interessanterweise ist es der, der das Puzzle wollte.

Endlich kommt mein Mann! Aus dem Schlafzimmer. In dem er sein Home Office eingerichtet hat: „Was gibt’s denn heute zu essen? Boah, ich hatte so viel Arbeit!“ Ich frag die Kinder, ob von den Würmern und Käfern noch was übrig ist. Aber das reicht nicht für alle. Also reiß ich eine Flasche Wein auf und suche eine noch dümmere Netflix-Serie aus als die, die die Kinder schauen. Eine einzige finde ich, die da in Frage kommt und schlafe dabei ein. Ein erfüllter Familientag geht zu Ende. Um 20 Uhr. Endlich!


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Claudia Ullrich ist Autorin und Werbetexterin. Sie lebt mit ihrer Familie in Graz/Österreich. Neben ihren Belletristik- und Ghostwriting-Agenden betreibt sie den Blog www.2-years.com, auf dem sie ihren persönlichen Weg in die finanzielle Unabhängigkeit beschreibt.

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