• Mama

GEFÄLSCHTES PLASTIK-KROKODIL

Mein Mann hat den Kinderwagen repariert. Jetzt ist er kaputt! Na, sehr super. Und dann darf ich mich nicht einmal beschweren oder jemanden um Hilfe bitten. Wer von den Damen unter uns kennt’s? Männer sind ja bei solchen Dingen– wie soll ich sagen? – immer etwas empfindlich. Zumindest ist das in unserer Familie so. Ich möchte da keineswegs alle männlichen Geschöpfe an den gleichen Pranger stellen, nicht falsch verstehen, aber bei uns spielt es sich genauso ab. Bitte ich sie, etwas zu erledigen, dann machen sie’s nicht. Machen sie’s dann doch irgendwann, dann machen sie’s entweder nicht fertig oder kaputt. Hole ich Hilfe, dann sind sie beleidigt. Schwierig. Sehr schwierig.

Ich ticke da ja ganz anders. Nehmen wir als Beispiel das Nähen. Ich bezeichne mich als Näh-Künstlerin. Künstlerin deshalb, weil es schon eine ganz spezielle Kunst ist, einen einzigen Faden auf so viele verschiedene Arten zu verknoten und zu verwurschteln. Jeder Seemann wäre neidisch. Wenn ich also einen Knopf annähe, dann hält der zwar, aber nur irgendwie. Vorne hui und hinten...? Hinten ist der dann unheimlich pfui! Hinten sieht das Geknotete dann doch eher nach Unfall als nach Kunst aus. Wenn ich also etwas nähen sollte, das noch gebraucht wird und bei dem das Genähte sichtbar ist, dann bringe ich es zu meiner Mutter. Oder Schwiegermutter. Die haben das Flicken noch ordentlich gelernt (ob sie wollten oder nicht). Ich hingegen kann es nicht und ich wollte es auch nie lernen. Deshalb hole ich mir Hilfe. Ohne Umwege. Ohne schlechtes Gewissen. Punkt.

Wieso aber geben es meine Männer nicht zu, wenn sie etwas nicht können oder schlichtweg nicht wollen? Ist ja keine Schande, bitte! Und weil’s mich so brennend interessiert, habe ich mir die Mühe gemacht, dem Ganzen auf den Grund zu gehen und eine mögliche Ursache zu finden.

Nehmen wir als weiteres Beispiel den eben schon kurz erwähnten Kinderwagen her. Die Kinderwagenbremse war kaputt und somit mussten wir das Wagerl mit dem mittags darin schlafenden fast zweijährigem Kind durch wirklich angsteinflößende Hilfsmittelchen sichern. Jeden Tag aufs Neue, je nachdem, wo sich der Wagen gerade befand. Darauf möchte ich aber eigentlich gar nicht genauer eingehen. Gänsehaut beschert mir das noch heute...

Gut, das Ersatzteil wurde flink bestellt und im zweiten Anlauf auch richtig geliefert. Tja, und dieses besagte Ersatzteil lag dann da so rum. Völlig unmotiviert wie ein unwillkommener Gast lag es in unserem Vorzimmer herum. Es hat leider nie laut gerufen und wurde deshalb beim Vorbeigehen einfach immerzu ignoriert. Es hat auch nicht unangenehm gestunken, sodass es schnell verbaut werden musste. Und es nahm auch keinen brauchbaren Platz weg, weil es so klein war, dass es mühelos auf anderes Zeug gestapelt werden konnte. Deshalb lag es da einfach so rum. Monatelang. Die anfangs große Hoffnung, bald keine gefälschten Plastik-Crocs von Opa mehr als Wegrollschutz installieren zu müssen, schwand somit von Tag zu Tag. Dieses blöde Ersatzteil wanderte einfach nicht von alleine in diese kaputte Bremse. Selbst einbauen wollte ich es nicht. Mein Mann hat es lauthals für sich reklamiert.

Danach lag’s viele Wochen beim Schwiegervater. Wie es dorthin kam, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Hier kam aber wieder ein Fünkchen Hoffnung in mir auf, dass es doch von den beiden Herren reingeschraubt werden könnte. Alleine oder zu zweit, ganz egal. Wie gerne hätte ich den alten, porösen Ziegel endlich entsorgt, anstatt ihn als provisorische Bremse einzusetzen. Aber auch Fehlanzeige.

Darauf angesprochen, warum es keiner der Männer einbaute, sagte man(n) mir, es sei etwas kompliziert und der Versuch 1 sei an Diversem gescheitert. Alles klar, ich kenne mich aus. An Diversem. Und als mein Mann dann nach wirklichen, echten FÜNF MONATEN Versuch 2 startete und an dieser Bremse geschlagene 2(!) Stunden herumschraubte, war der Kinderwagen kaputt und der Mann angefressen! Weil der Kinderwagen so richtig kaputt war. Nämlich komplett. Noch mehr als vorher. Jetzt fuhr das sonst so treue Gefährt nicht einmal mehr. Gesagt hat er mir das aber nicht. Ich habe es erst erfahren, als ich am nächsten Tag das Kind in den Schlaf schaukeln wollte und nicht vom Fleck kam. Gut, ich komme zum Schluss dieser mäßig spannendenden Geschichte: Der Wagen fährt wieder und die Bremse ist nach Versuch 3 auch tatsächlich ordnungsgemäß verbaut. Ob er das alleine geschafft, sich Hilfe geholt oder ihn in die Werkstatt gebracht hat, weiß ich jedoch bis heute nicht. Der Kinderwagen müsste also ab sofort nicht mehr zwischen zwei Sesseln eingeklemmt werden, um das Kind vor dem sicheren Tod durch Davonrollen zu schützen. Aber mittlerweile ist es wurscht, weil mittlerweile schläft das Kind mittags nicht mehr.

Resümee: Warum ist das jetzt also eigentlich so bei uns in der Familie? Warum fällt es meinen Männern so schwer, sich Hilfe zu holen, oder sich selbst einzugestehen, dass sie etwas nicht können? Warum dauert es immer ewig, bis sie etwas angehen, obwohl es wichtig wäre? Fazit: Ich weiß es nicht. Noch immer nicht. Keine Antwort gefunden. Kein bisschen schlauer. Sorry.

Oh, tut mir Leid, jetzt habe ich eine völlig alltägliche Geschichte ziemlich emotional erzählt, die aber ziemlich langweilig ist, habe mich beinahe wissenschaftlich reingesteigert, mich bemüht, eine aufklärende Antwort zu finden, um am Ende festzustellen, dass meine Eingangsthese sowieso überhaupt nicht stimmt!!! EINEN Mann in meiner Familie gibt es, der es lautstark verkündet, wenn er etwas nicht kann! Meinen Sohn!!! Mein Sohn ärgert sich wie ein Rumpelstilzchen, wenn er etwas nicht hinkriegt und schreit dazu noch: „ICH KANN DAS NICHT!!!“ These über Bord geworfen, einer meiner Männer gibt es ja doch zu, dass auch Männer Hilfe benötigen. Auch erwachsene Männer. Hin und wieder. Manchmal. Selten, aber fast nie. Ich weiß, ich weiß.



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