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GESTRESSTES FLEISCH SCHMECKT NICHT

Diese Tagträume, das sind Hundianer, ich sag’s euch! Aber von vorne. Seit mein Sohn damit begonnen hat, sich den ganzen Tag zu beschweren, wollte ich zumindest einmal am Tag davonlaufen. Meistens jedoch mehrmals am Tag. Gut, ich bin ehrlich, eher stündlich. Aber: Exakt 13 Monate hat es gedauert, bis ich mich endlich dazu durchringen konnte, mein Kind einen Nachmittag lang fremdbetreuen zu lassen. Aber lediglich in Omas und Opas Obhut, klar! Nicht, dass ich ihnen nicht vertraut hätte, nein! Die Großeltern waren immer wieder mal für ein paar Tage bei uns, kümmerten sich aufopfernd um ihren ersten Enkelsohn. Aber ganz alleine bei ihnen lassen, wollte ich ihn trotzdem nicht. Obwohl ich mittlerweile aus dem letzten Loch pfiff. Aber das anstrengende Kind für ein paar Stunden weggeben? Nöööö, keine Chance! So merkwürdig ist das Mamadasein.


Also, nach diesen 13 Monaten im 24-Stunden Mamaservice war ich endlich soweit. Bereit für einen Nachmittag als Frau. Ausgelaugt müde, aber trotzdem motiviert und voller Vorfreude. Ich bereitete alles bis ins kleinste Detail vor. Ach, was weiß ich. Bis ins winzigste, befürchte ich. Ich gehörte ja damals noch zur Sorte der, mit Verlaub, echt bescheuerten Mütter. Ob die Anderen wohl wissen, wie man vernünftig einen Wasserhahn bedient und damit eine Wasserflasche befüllt? Blauer Punkt, kalt. Roter Punkt – Achtung ! – heiß!!! Wahrscheinlich nicht. Ich mach’ die Flasche lieber vorher ganz voll. Soll ich auch die Banane gleich schälen, oder kriegen die das hin, das gelbe Zeug drumherum zu entfernen? Vermutlich nicht. Ich schäle sie. Und schneide sie auch gleich in Scheiben, dann können die abgebissenen Stücke nicht zu groß sein. Nicht, dass das Kind zu würgen beginnt. Oder sich verschluckt. Oder ihm schlecht wird. Mamma mia, komplett bekloppt, aber war eben anfangs so. Kann ich jetzt auch nicht ändern.


Gut, das kindliche Survival-Paket also gewissenhaft übergeben und detailliert erklärt, verschwanden mein Mann und ich also Richtung Stadt. Das Dreiergespann aus Oma, Opa und Enkelsohn Richtung Spielplatz. (Ob sie wissen, wie man den Sonnenschirm auf dem Kinderwagen öffnet? Ist ja doch etwas kompliziert. Möglicherweise nicht. Vielleicht sollte ich ihnen lieber einen Link zu einem Youtube-Tutorial schicken. Aber, nein, egal jetzt.) Die pflichtbewussten Großeltern hielten uns mit Fotodokumentation am Laufenden. Enkerl lächelnd auf der Schaukel, Enkerl grabend im Kies, Enkerl mampfend beim Obstnaschen. Das beruhigte mein – warum auch immer – aufgeregtes Mutterherz vorerst.


Wir entschieden uns für ein gechilltes Essen in einem Burgerlokal. Saftiger Burger, Beilagen, spritziges Getränk, schmackhafte Saucen. Mein Mann auf dem Platz neben mir. Und dazu Ruhe. Einfach nur Ruhe! Alles perfekt. Ein Stückchen heile Welt – fast so wie „früher“. Genau das war es, was ich mir wünschte. Genau das war es, was ich so dringend brauchte! Danach ein Eis, schlug mein Geliebter bereits vor der Abfahrt von zu Hause vor.


So haben wir uns das zumindest immer wieder in unseren zahlreichen Tagträumen ausgemalt. Die Tagträume sind nämlich, wie gesagt, echte Hundianer. Da glaubt man doch ernsthaft, in so einer kurzen Auszeit schleichen sich die ganzen Mamagedanken, frau kann alles ausknipsen und lebt für eine gewisse Zeit ihr altes Leben, so wie früher! Zu zweit, nur als Pärchen? „Und wenn wir dann mal alleine unterwegs sind, dann...!“ Ja, genau dann! Dann passiert es nämlich. Das Unausweichliche. Das Unaussprechliche. Skandal! Also, wie soll ich’s sagen?! Ich schaute während des Burgermampfens die ganze Zeit nur auf die Uhr und das Handy. Abwechselnd. Ich würgte das Menü einfach nur so runter. Von 20x Kauen keine Spur. Unentspannt hoch 2. Mein Mann hingegen war da wesentlich gelassener. Der wollte nach dem Burger doch tatsächlich auch noch das geplante Eis und sich damit genüsslich in die Sonne setzen. Thahaha! Und ich??? Ich Mamadepp wollte nach nur zwei Stunden nach Hause. Einfach nur nach Hause! Dringend. Nämlich jetzt. Ohne Umwege. Am liebsten mit Blaulicht.


Die Fotos trudelten zwar noch immer regelmäßig ein. Kind spielend mit Tieren, Kind lesend auf Omas Schoß, Kind trinkend mit Wasserflasche (hoffentlich war das Wasser nicht heiß!). Aber ich musste trotzdem ganz dringend zurück in die eigenen vier Wände und mich davon überzeugen, dass mich mein Nachwuchs nicht schmerzlich vermisste. Doch, eigentlich wünschte ich mir genau das. Dass er mich vermisste. Nicht schmerzlich, aber zumindest ein wenig. Ich wünschte mir nichts sehnlicher als eine Begrüßung mit fester Umarmung und Schmatzer. Und diese willkommene Begrüßung bekam ich dann auch. Ach, so ein feuchter Schmatzer schmeckt eben doch viiiiiiiil besser als gestresstes Burgerfleisch!


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