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GROSSE HILFE

„Du bist eine wirklich große Hilfe!“


Das ist nur eine von vielen Lügen, die wir Mamas unseren Kindern tagtäglich auftischen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Mal ehrlich, wie oft kommt es vor, dass wir Kindern für ihre „Hilfe“ bei der Arbeit danken, obwohl „danach“ noch viel mehr Chaos herrscht als „davor". Wenn Kinder mitanpacken, dann müssen Mütter oft wirklich gute Nerven haben.

Für mich sind derartige Aussagen aber keine Lügen im eigentlichen Sinn, sondern gehören zum Drehbuch des täglichen Unterhaltungsprogramms. „Du bist eine wirklich große Hilfe“, schieße ich etwa raus, wenn ich versuche, ein Fenster zu putzen. Dann bekommen auch die Kinder Fensterreiniger und Küchenrolle in die Hand gedrückt und dürfen ebenfalls „helfen“, währenddessen ich als Mama versuche, das andere Fenster gleich daneben ungestört putzen zu können. Ohne Jammerei und Störungen. (Das von den Kindern „gereinigte“, ergo ins Unendliche verschmierte, Fenster putze ich dann heimlich in der Nacht.)


„Du bist eine wirklich große Hilfe“, hören sie etwa auch, wenn sie beim Kochen helfen und sie mehr Mehl auf den Boden als in die Schüssel schütten. Sie hören es auch, wenn sie das schmutzige Geschirr mit einem uralten Fetzen (für die deutschen Freunde: Lappen) aus dem Garten abwaschen und die Gläser und Teller dann sowieso wieder abends in den Geschirrspüler wandern. Sie kriegen es ebenfalls präsentiert, wenn sie mit dem Plastikpflegemittel alle Autospiegel, die Stoffsitze und Gurte putzen. Das macht schließlich lustige Schlieren.


Ja, diese Lügen verwende ich, um die Kleinen bei Laune zu halten, um sie in den Alltag zu integrieren, um ihnen Selbstvertrauen zu schenken, um ihnen zu signalisieren, dass sie schon so vieles alleine können. Aber manchmal, ja hin und wieder, mache ich das auch nur, um den nächsten Wutanfall in der Autonomiephase hinauszuzögern oder im Idealfall sogar zu verhindern. Einen weiteren Haken unter ein Projekt zu machen und sich eine nächtliche Putzschicht zu sparen, ohne brüllendes Kind, ist schließlich schon auch was wert.

Meine Kinder sind manchmal wirklich keine große Hilfe (und das ist die Untertreibung des Monats), aber ich werde sie trotzdem auch weiterhin anschwindeln. Einerseits, um in ein zufriedenes und selbstsicheres Kindergesicht blicken zu können. Und andererseits, um einfach ein bisschen meine Ruhe zu haben.



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