• Mama

HOLD THE LINE

Wie ist das bei euch so? Also, wenn ich tagsüber versuche, ein wichtiges Telefonat zu führen (na ja, eigentlich komplett egal, ob wichtig oder unwichtig)... Okay, ich beginne noch einmal von vorne! Wenn ich tagsüber telefonieren möchte oder meistens ist es ja MUSS, dann ist das völlig unmöglich. Absolut unmöglich. Das Allermindeste ist, dass ich einen menschlichen Klotz am Bein habe. Im Normalfall sind das sogar zwei menschliche Klötze. Nur leider sind diese Klötze dann nicht ganz so schweigsam wie andere Klötze. Sagen wir mal, wie die aus Holz oder Beton zum Beispiel. Auch wenn ich eindringlich um fünf ruhige Minuten bitte, ist es bei uns zu Hause schlichtweg nicht machbar, ein halbwegs normales Gespräch zu führen. Das klingt dann in etwa so:

Hold the line. Bitte warten. Hold the line. Bitte warten. (seit gefühlten 48 Tagen).

Und dann endlich!

„Grüß Gott, ich hätte eine Frage zum Online-Antrag. Bin ich da bei Ihnen richtig?“

„Wasser!“

„Ah, okay, Frau Gruber, ja, dankeschön!“ (Hold the line. Bitte warten. Hold the line. Bitte warten.)

„Guten Tag, spreche ich mit Frau Gruber?“

„Wasser!“

„Danke!“ (Hold the line. Bitte warten.)

„Ich hab’ Durst!“ (Hole für Kind1 Wasser. Einhändig, weil das Handy in der anderen Hand.)

„Grüß Gott, ich bin auf der Suche nach einer Frau Gruber, die sich mit dem Online-Antrag auskennt!“

„Nein, kaltes Wasser!“ (Kind1 knallt das Glas auf den Tisch.)

„Fein, Sie müssen mir bitte weiterhelfen! Ich habe gestern Abend versucht, das Formular online auszufüllen und...“

„Auch Wasser!“

„...und leider kommt die Fehlermeldung...“

„Mama, auch Wasser!“ (Hole für Kind2 Wasser. Wieder einhändig.)

„dass ich das falsche Geburtsdatum eingegeben habe.“

„Mama, sie darf das Glas nicht haben. Die macht das kaputt!“

„Obwohl es natürlich richtig ist.“

„Mamaaaaaa, das ist mein Glas. Die macht das bestimmt kaputt!“

„Einen Moment bitte, Frau Gruber!“ (Spreche mit Kind1.)

„So, bin wieder da. Aber ich bin mir ganz sicher, dass ich mein Geburtsdatum kenne.“

„Aaaaaaaahhhhhhhh, lass das los! Du machst das Giraffen-Glas kaputt!“

„Ja, habe ich. In beiden Varianten.“

„Mama, will trinken! Mama!“

„Wie bitte? Entschuldigung, jetzt habe ich Sie nicht verstanden.“

„Gib heeeeeeer!“

„Haben Sie 2 oder 3 gesagt?“

„Lass loooooos!“

„Z-W-E-I oder D-R-E-I?“

„Neeeeein!!!“ – „Aaaaaahhhhhh!!!“

Zack! Bumm! Krach! Tschepper. Geplärre Kind1. Geplärre Kind2.

„Frau Gruber, bitte geben Sie mir Ihre Nummer. Ich melde mich morgen noch einmal, wenn die Kinder bei der Oma sind.“

Ich gratuliere den Eltern der nächsten Generation! In 15 oder 20 Jahren werden nämlich auch Behörden abends oder am Wochenende erreichbar sein bzw. Anliegen zeitnah per Mail bearbeiten. Ich freue mich für euch! Ich hingegen muss für einen lapidaren Anruf noch einen Babysitter organisieren. Also, mal ehrlich: Wer kennt's? Ich bin doch nicht alleine, oder?!



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