• Mama

LET'S DANCE

Kinder schnappen ja alles auf – manchmal präsentiert man ihnen etwas ganz bewusst, damit sie es lernen, aber so vieles passiert eben auch völlig unbewusst und irgendwie so nebenbei. Das zu erkennen, sind dann die wirklich spannenden Momente. Genau so einen spannenden Moment gab es z.B. damals, als mein zweieinhalbjähriger Sohn etwas „mamaniert“ haben wollte. Ja, wenn das eigene Kind plötzlich Mamas etwas merkwürdigen Wortschatz übernimmt, dann ist es wieder einmal ganz klar, dass Kinder imitieren und übernehmen, von den Bezugspersonen lernen. Nämlich alles - bis ins kleinste Detail! (Falls sich jetzt jemand fragt, was dieses Wort zu bedeuten hat...?! Ganz einfach. Es ist bei uns so: Wenn ich etwas nicht reparieren kann, weil mir Werkzeug und/oder Fertigkeiten fehlen, dann bringen wir es zum Opa. Und der Opa „opaniert“ es dann meistens. Und wenn der Opa opaniert, dann war es für mein Kind ganz klar, dass die Mama eben mamaniert. Eh logisch, oder?!)


Aber manchmal, und das ist auch ganz spannend, ist es genau anders herum. Dass nämlich nicht die Kinder von uns Eltern, sondern wir von ihnen lernen. Wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, dann sollten wir das eigentlich viel öfters tun. Aus unserem festgefahrenen Standard ausbrechen und uns etwas von den Kindern abschauen. Ja, und gestern gab es eben wieder einmal einen dieser Momente. ICH habe abgeschaut und gelernt. Und vor allem habe ich mir auch danach die Zeit genommen, eine Aussage meiner nicht einmal dreijährigen Tochter zu verinnerlichen! Ich fand die so dermaßen großartig, dass ich mir gedacht habe: Verdammt, das ist nicht nur irgendeine Aussage! Das ist ein tiefgründiges Lebensmotto, eine Lebenseinstellung.


Meine Tochter stand im Garten, sang lauthals und tanzte dazu. Sie war in ihrem Element, sie tanzte voller Lebensfreude und war mehr als überzeugt davon, dass auch ich schon in der nächsten Sekunde meine Arbeit niederlegen und Teil ihrer ausgelassenen Stimmung werden sollte. Jetzt! Sofort! Auch ihren Bruder hatte sie längst in ihren Bann gezogen, er bewegte sich ebenfalls nach Herzenslust. Ich schaute mir das zwar gerne an, empfand aber meinen Wäschekorb noch immer als wichtiger. Ja, und dann rief sie mir aber etwas zu, das meine Sichtweise schlagartig änderte: „Mama, komm! Augen zu. UND FUCHTELN!“


Sie schloss ihre Augen, bewegte ihre Arme im Takt ihres Gesanges, als wären sie aus Gummi. Sie grinste von einem Ohr zum anderen und spürte das Lied gefühlt mit jeder Zelle ihres Körpers. Das war aber auch schon alles, was ich sehen konnte, denn dann stellte ich meinen Wäschekorb nieder, schloss ebenfalls meine Augen, fühlte den Moment und fuchtelte im Takt ihres Gesangs. Ich finde ja wirklich, wir alle sollten viel öfter im Leben einfach unsere Augen schließen und ausgelassen fuchteln, als würde uns niemand zusehen! Sei einfach du selbst, lebe den Moment als gäbe es kein Morgen und sei bitte, bitte nicht Standard! Tochter, danke für den tiefen Einblick in deine Kinderseele und das Lernen!

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