• Mama

MEHR KUH FÜRS HENDL

Meine Güte, wie hab’ ich mich gefreut, dass ich wieder einmal ein so g’schmackiges Mittagsmenü gezaubert habe! Ein freilaufendes Sonnenhendl, gefüllt mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten, dazu heurige Erdäpfeln und knackige Karotten. Nahrhaft und eine Gaumenfreude zugleich.

Doch als sich mein kleines Muhnikat zum Mittagstisch gesellte, war die freudige Stimmung auch alsbald wieder verflogen. „Kuh will ich!“, schrie er enttäuscht, als er den Hühnerschenkel sah. Nach dem Schrei ein kleines Schluchzen, ich erinnere mich genau. Trotz (Oder wegen?) seiner großen Leidenschaft für Kühe verspeiste er nämlich Rindersteaks mit großem Genuss. (Dass für den Fleischkonsum eine Kuh dran glauben muss, diese Verbindung gab es in seinem 2-jährigen Kopf noch nicht.) Er hätte am liebsten jeden Tag Kuh oder etwas Kuhähnliches am Teller gehabt.

„Mama, Muh! Kuh will ich essen!“, verdeutlichte er ein weiteres Mal. Gut, ich hatte es natürlich schon beim ersten Mal verstanden, dass das aus seiner Sicht die falsche Fleischwahl war. Aber wie auf die Schnelle lösen? „Schatzi, heute gibt es Hendl, keine Kuh! Ein leckeres Sonnenhendl aus der Winzerschule!“, versuchte ich noch, die Kurve zu kratzen. Ein Spaziergang in der Winzerschule war für ihn nämlich immer ein besonderes Highlight. Da gibt es gleich mehrere Lehrgehege und in jedem sind andere Tiere untergebracht. Das ist es, was mir auf die Schnelle als Lösung einfiel. Aber sein Blick wurde nur noch finsterer. Wenn ich doch bloß vorher gewusst hätte, dass mir das wirklich wundervoll riechende Geflügel heute das Genick brechen würde... Shit!

Er setzte zum erneuten Dramaschluchzen an, da griff ich in meiner Not beherzt neben mich und erwischte – Gott sei gelobt – einen prächtigen Schleich Stier. Mit Riesenhörnern! Den Arena Stier, wie wir ihn nannten. Wie gut, dass diese Viecher bei uns ja überall herumliegen. Mit dem zweiten Griff zauberte ich eine Black Angus Kuh herbei, die zählt ja zu seinen absoluten Favoriten. Die beiden Kumpels stellte ich hoffnungsvoll und noch in der gleichen Sekunde neben den Teller. Und ich wartete. Und wartete. Ich wartete gespannt auf die Reaktion meines Sohnes. Und ich wartete weitere. Wenn ich heute so darüber nachdenke, würde ich sagen, ich habe dabei sogar geschwitzt. So angespannt war diese Warterei. Aber so genau weiß ich das nicht mehr. Auf jeden Fall kam es mir wie eine halbe Ewigkeit vor, das Warten.

„Bäck Ängäs Kuh!“, schrie er voller Freude und zeigte auf den Mittagsteller mit dem zuvor ziemlich ungeliebten Hendl. Und da war es dann auch schon, das Lächeln, auf das ich so sehr gehofft hatte. Na ja, das Ende der Geschichte: Unter den wachsamen Augen seiner heißgeliebten Schleich Kühe schmauste es sich dann doch ganz friedlich und genüsslich. Selbst, wenn es sich beim eigentlichen Gericht um ein viel weniger spektakuläres Geflügel handelte. Und zusammen mit einer Prise Erleichterung schmeckte es dann auch mir ganz wunderbar.



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