• Mama

MINIHÖLLE

Meine Güte, wie gerne spiele ich Minigolf! Ich bin zwar komplett talentbefreit, was das angeht, weil ich keine Feinmotorikerin bin, aber trotzdem macht es mir richtig viel Spaß! Leider bin ich in den letzten Jahren nur ein einziges Mal dazu gekommen, eine Partie mit meinem Mann zu spielen. Im ersten Urlaub mit unserem Sohn – am Wörther See in Kärnten. Damals war er niedliche 5 Monate jung und eigentlich (bis auf die schlechten Nächte) relativ unkompliziert in seinem Gemüt. Also wagten wir gemeinsam mit unserem Muhnikat das Experiment Minigolf. Und es klappte erstaunlich gut. Er beäugte vom Kinderwagen aus das Spiel recht interessiert und wollte selbstverständlich auch schon mal den Schläger halten. Da ging mir ein bisschen das Mutterherz auf, muss ich gestehen. Wir konnten tatsächlich ein fast normales Spiel absolvieren. Traumhaft. Ach, ich hätte es mehr genießen sollen, dämmert es mir so im Nachhinein.

Erst zweieinhalb Jahre später gab es ein Revival. Ein Minigolf-Nachmittag stand an. Ich freute mich und war aufgeregt! Dieses Mal war unser Sohn schon 3 und mittendrin statt nur dabei. Unser Kind fasste motiviert seinen ganz eigenen Kinderschläger aus und bekam von mir eine einwandfreie Einschulung mit allen nötigen Details. Kindgerecht erklärt, versteht sich.

Aber bereits bei der ersten Bahn war klar: Das kann ja heiter werden! Er schwang dieses Metallding natürlich wie wild geworden durch die Luft. Eh klar beim ersten Versuch. Ruhig und besonnen klärten wir ihn über die metallischen Gefahren auf und baten um seine Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema. Das passte ihm schon mal gar nicht! Grundstimmung also bescheiden. Kann ich aber auch ein bisschen verstehen. Ein von Mama hochgelobtes Spiel und dann gibt es gleich zu Beginn so viele Regeln: Nicht über die Bahn laufen, den Ball der anderen Spieler nicht mitten im Spiel entfernen, bewusstes Zielen und Schießen, dann wiederum das sachte Anstoßen kurz vorm Einlochen. Nein, das war ja so gar nicht seins! Er hampelte herum wie ein Rumpelstilzchen. Schrie und tobte. Ließ gar nicht mit sich reden, ignorierte unsere Annäherungsversuche, war einfach in Rage. Und das nicht in einem kurzen Moment, sondern so oft und so lange, bis wir das Spiel unbeendet abgebrochen und die Schläger zur Ausgabe zurückgebraucht haben.

Einfach nur ein Horrornachmittag für mich, von dem ich wahrscheinlich fälschlicherweise zu viel erwartet hatte. Ich wechselte sofort in eine Opferrolle, wurde binnen Minuten von der verständnisvollen Mama zu einer gekränkten Frau. Ich fand das so unfair! Einfach nur unfair und verkrafte das bis heute nicht! So vieles, das mir früher („vor Familie“) Freude bereitet hat, kann ich seit Jahren gar nicht mehr machen. Auf so vieles habe ich freiwillig verzichtet, um eine neues Leben mit meinen Kindern zu gestalten. Und dann gönnt mir mein Sohn nicht einmal eine einzige Partie Minigolf?!?! Das sind jene Momente, in denen ich mich als Mutter frage, ob ich alles, wirklich alles aufgeben muss, „nur“ weil ich jetzt eine Mama bin. Wie oft stapfte ich schon durch Schlamm am Bauernhof, um Tiere anzuschauen, verbrachte unzählige Stunden am windigen, kalten Spielplatz, um meinem Spatz eine Freude zu bereiten. Und als Dank schickt er mich nun durch meine persönliche „Minihölle“?

Ja, ja, ja, ich weiß, diese Gedanken sind komplett sinnlos, sogar unfair meinem Kind gegenüber. Ich weiß auch, dass sie uns nicht weiterbringen. Er macht so etwas ja nicht, um mich zu ärgern. Er durchlebt ein Bedürfnis, das wir in diesem Moment offensichtlich nicht richtig zuordnen und somit auch nicht befriedigen können. Er war in diesem Moment vielleicht schlichtweg überfordert, ja, ja, ja, das sagt mir jetzt viele Monate später mein Verstand. Aber den Verstand habe ich bei diesem einen für mich offensichtlich so wichtigen Thema ausgeknipst. Und manchmal ist man eben auch Frau und nicht Mutter. Und diese Frau ist verärgert und empfindlich und angefressen und wütend und was es da sonst noch so an Gefühlen gibt. Deshalb bin ich auch lange Zeit später noch immer sehr emotional, wenn ich von diesem Höllenerlebnis erzähle. Dieser Eintrag endet also hier. Nämlich schon mit Magenschmerzen. Aber in einem Jahr versuchen wir es noch einmal. Völlig irre, ja, muss aber einfach sein!



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