• Mama

NICHT MEHR GANZ SO LEBENDIGES TIER

Kühe. Für die meisten sind das einfach Tiere. Bei uns sind sie der Lebensmittelpunkt. Na ja, zumindest, was unseren Sohn betrifft. Da dreht sich seit vielen Monaten jeden Tag alles um sein geliebtes Fleckvieh. Das ist ja hier schon lange kein Geheimnis mehr. Wir spielen mit Kühen, wir schauen uns Kühe am Bauernhof an, wir lesen über Kühe, wir fahren mit Kuhbahnen am Vergnügungspark, wir kuscheln mit Kühen, ja, wir füttern diese auch imaginär. Aber: Wir essen sie halt auch leidenschaftlich gerne! Das betrifft aber nicht nur mich als Erwachsene, sondern auch unser Kind. Ist so.

Neulich gab’s zu Mittag wieder einmal Steak. Mein Sohn saß freudig kauend bei Tisch. Richtig einladend schaute das aus. Nach wenigen Minuten erspähte ich aber wieder diesen einen Blick. Der Blick mit den Tausend Fragezeichen in den Augen. „Mama?“, schoss es nur einen wenig später aus seinem Mund. „Mama? Ist das ein Tier?“ Er schaute Richtung Fleisch, das er gerade auf seine Gabel aufgespießt hatte. „Ja, klar, das ist Rindfleisch.“, bestätigte ich seine Frage. „Ist das eine Kuh?“, wollte er genauer wissen. Ich nickte. „Ist das eine tote Kuh?“, ging er wie gewohnt weiter ins Detail. Kurze Pause, in der er sich das eben aufgespießte Fleischstück in den Mund steckte und wieder genüsslich zu kauen begann. „Tot?“, wiederholte er. „Ja, mein Schatz, das Tier ist für uns gestorben, damit wir es essen können.“ Wieder eine kurze Pause.

„Ist da jemand draufgestiegen, weil die Kuh tot ist?“ Ähm, ja. Gut, damit hab’ ich jetzt nicht gerechnet. Ich gebe zu, ich musste kurz schmunzeln. Was ihn jedoch verwirrte. Also versuchte ich mich in der gleichen Sekunde auch wieder zu beherrschen und erklärte ihm, dass das Tier im Schlachthaus gestorben sei und kein Mensch auf eine Kuh steigt. Okay, das mag schon vorgekommen sein, irgendwie, irgendwo auf dieser Welt, aber gestorben ist sie dadurch nicht. Wahrscheinlich. Oder doch? Keine Ahnung! Etwas wirr, was da so aus meinem Mund kam, aber ihm reichte es als Erklärung. Vorerst zumindest. Er gabelte das nächste Stück auf – dieses Mal war es Brokkoli. Ich sah keine weiteren Fragezeichen in seinen Augen. Zumindest vorerst. Puh, Glück gehabt. Mahlzeit!


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