• Mama

ODE AN DIE FREU(N)DE

Teile von dem, was heute hier folgt, mögen sich verwirrend lesen, ich weiß! Was jetzt folgt ist ein stellvertretendes Loblied an naive, juvenile Ideen und eine nicht gereimte Ode an eine ganz spezielle „Wegbegleiterin vor Kinder“. Unlängst hat mir diese Wegbegleiterin nämlich geschrieben, wann ich denn endlich einmal einen Blogbeitrag über sie und unsere Insider bringe. Hier, bitteschön, der ist für dich, liebe Frau Eggo!

Wenn man jung und ungebunden ist, dann fallen einem allerhand Blödsinnigkeiten ein. Man lässt sich etwa ein Arschgeweih tätowieren oder springt bungeejumpend von einer Brücke. Eine dieser Blödheiten in meinem eigenen Leben war, den sicheren, lukrativen Job zu kündigen und nach Spanien zu gehen. Mit besagter Freundin im Gepäck. Wir wollten für mehrere Monate ein Praktikum in einem Fünf-Sterne-Hotel absolvieren, ohne damit Geld zu verdienen. Einfach einmal eine längere Zeit in einem fremden Land leben, die Sprache perfektionieren, neue Leute treffen, ungewohntes Essen probieren, neue Eindrücke sammeln. Ja, das klingt wunderbar und nach einem Abenteuer, wie es junge Menschen lieben. Nein, die Wahrheit ist, dass sich diese Idee schnell als Griff ins (verstopfte) Klo herausstellte.

Nix mit Spanisch perfektionieren – wenn man stundenlang alleine in der dampfenden Küche Gläser poliert. Nix mit nach einem harten Arbeitstag entspannt ins kühle Nass hüpfen – wenn man nur im Dreckwasser des Vordermannes duschen kann. Nix mit authentische Tapas mampfen – wenn man mittags und abends nur die übriggebliebenen, vertrockneten Pommes der Hotelgäste zu essen bekommt. Nix mit exotische Pflanzen und Tiere sehen – wenn im Schlafzimmer lediglich eine stinknormale Ameisenkolonie wohnt.

Gut, ja, die Erwartungen einer Frau Mitte 20 waren nicht die eines Schülers im Pflichtpraktikum und das mitgebrachte Eigenkapital machte die Entscheidung vielleicht schon etwas einfacher. Aber wir schauten uns nach ein paar Tagen tief in die Augen, kündigten die Sklavenanstellung und hauten ab. Mit 4 Koffern im Schlepptau, die so schwer waren wie 4 nasse Eisbären. Egal. Mit bester Laune und mit Bahn, Schiff, Bus, Taxi ging es quer durchs Land. Von Córdoba aus bereisten wir Málaga, Tarifa, Marbella und sogar Gibraltar. Auch ein kurzer Abstecher nach Marokko musste sein.

Wir sahen Fische, die aussahen wie Wurst. Wir mieteten uns unabsichtlich in ein Pornohotel ein. Wir stellten fest, dass man ein Tic Tac hervorragend als Zahnlückenersatz verwenden kann. Wir hatten ein eigenes Haustier namens Jorge (Gecko). Wir versuchten, eine "Whale Watching"-Tour zu buchen und wurden immer in das Obergeschoß zu "Wash&Dry" geschickt. Wir haben uns von Kopf bis Fuß vermummt, weil wir im muslimischen Land nicht auffallen wollten. Mit Louis Vuitton Schal wohlgemerkt! Wir fragten uns, wer die Schaufensterpuppe ermordet hat. Wir haben festgestellt, dass ein Mischmasch aus Englisch und Spanisch nicht immer verstanden wird („Futting with Tanga de papel“ – keine Ahnung, was uns dieser Herr eigentlich sagen wollte). So viele für immer bleibende Erinnerungen, so viel unauslöschliches WIR.

An unserem letzten Ziel nach mehreren Wochen Reise stellten wir in der traumhaften Villa eines Freundes in Marbella fest, dass wir eigentlich das perfekte Ehepaar wären. Wäre da nicht die Sache mit dem Heterosein. Und obwohl sich das Ursprungsprojekt also ziemlich schnell als ziemlich schwachsinnig herausstellte, wurde alles zu einem unglaublichen Abenteuer und ich möchte keine einzige Sekunde dieses Erlebnisses missen!

Der Tag wird mit Sicherheit kommen, an dem mir mein Kind einen komplett kuriosen eigenen Plan auftischen wird. Ganz sicher! Eine aus meiner erwachsenen Sicht völlig sinnbefreite Idee. Und deshalb werde ich versuchen, all diese wundervoll-verrückten Erlebnisse und Bauchkribbel-Emotionen bis ans Ende meiner Tage zu konservieren, um meine Kinder darin zu bestärken, genau jene Schwachsinnigkeit im Leben zu wagen. Diese Wochen zählen nämlich bis heute zu den besten meines Lebens und dafür bin ich sowas von dankbar! Danke dafür, Patra! King regards, Marina :-)



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