• Mama

R.I.P. GLÜCKLICHE HÜHNER

Irgendwann war der Zeitpunkt dann gekommen. Ich musste Superfly gegen Kinderlieder tauschen. Ein sehr trauriger Moment. Zumindest für mich persönlich. Und dieser Tausch passierte beinahe 1:1. Das Radio blieb somit tagsüber aus, dafür lief der CD Player bzw. die Toniebox fast ununterbrochen. Nur beim Wochenendfrühstück bestehe ich bis heute auf die chillige Musik meines Lieblingsradiosenders.


Die ganzen Kinderliederklassiker zogen also in unseren Alltag ein: Die Affen rasen durch den Wald, Die Maus auf Weltraumreise, Der Hoppelhase Hans und so weiter und so fort. Aber der alte MacDonald hat da alle Dimensionen gesprengt, unglaublich! Diese Melodie wurde rauf und runter gespielt. Den lieben langen Tag. Irgendwann war ich dann einfach nur noch genervt, muss ich zugeben. Kennt ihr das? Wenn die Kleinen etwas ganz narrisch vergöttern und ihr euch irgendwann - nach vielen Monaten Geduld und Verständnis natürlich - einfach nur noch denkt: „Bitte nicht schon wieder!“ So ging’s mir eben bei diesem Lied. Ich kann nicht zählen, wie oft wir das schon gehört haben. Und wie oft ich das schon singen musste. Und wie oft wir die Tiere dazu aufgestellt haben. Und... Einfach unzählbar und einfach unfassbar, wie ein einziges Lied viele Monate eines Lebens prägen kann.


Na ja, aber darüber wollte ich mich heute eigentlich gar nicht echauffieren. Das ist mir jetzt irgendwie passiert. Wie das eben öfters so ist bei mir, wenn ich schreibe. Da schweife ich gerne einmal ab. Also, ein ganz anderes Lied war uns letztens ein ganz spezieller Dorn im Auge. „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ – auch ein Klassiker seit, ich weiß nicht wie vielen Jahren. Jeder kennt’s und und die Kinder singen da gerne mit. Aber diese eine Frage meines tierverliebten Sohnes hat mich eben zum Grübeln gebracht: „Mama, sind die Hühner jetzt alle tot, wenn die Oma mit dem Motorrad reinfährt?“ Hm, gute Frage. Wie so oft! Nö, ich hoffe mal nicht, dass die Hühner tot waren. So habe ich das auch einfühlsam kommuniziert. Aber für mich selbst habe ich mir gedacht: Puh, wer weiß das so genau, ob da nicht die eine oder andere Henne dran glauben musste?! Zerquetscht unter dem Vorderreifen. Oder verheddert im Motor. Oder womöglich liegen die dann schwerverletzt irgendwo herum. Mit gebrochenen Flügeln und keiner kümmert sich. Sehr barbarisch, wenn man das Lied von dieser Perspektive betrachtet. Sehr blutrünstig, wie sich dieser Text in meinem Kopf zu einer Horror Story weiterentwickelt hat. Pfui! Es hat für mich persönlich durchaus Potential, auf die Black List von Tierschützern zu kommen, meint ihr nicht auch? Womöglich wird es in naher Zukunft sowieso verboten sein und meine Kinder werden in 30 Jahren ihren Kindern erzählen, dass sie damals noch Lieder über eine Oma gehörten, die Hühner getötet hat. So wie es vielen Eltern in meiner Generation geht, wenn sie vom Buch „Der Struwwelpeter“ erzählen.


Na ja, ich habe aber selbstverständlich beim Gespräch mit meinem Kind das ganze Explosionspotential rausgenommen und ihm erklärt, dass die Hühner bestimmt nur wie wild herumgeflattert sind und die sich furchtbar erschrocken haben, als sie das Motorrad sahen. Und dass ihnen gaaaaanz sicher nix passiert ist. Natürlich, selbstverständlich, eh klar! Ich hoffe wirklich sehr, dass sich der Verfasser dieses Liedertextes nicht einer echten Geschichte bedient hat... Bäh, dieses Lied streichen wir ab sofort von unserer Playlist! Mein Kopfkino ist nämlich echt abartig!



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