• Mama

REINE KEKSE

Kurz vor Weihnachten kramen wir immer sämtliche Bilderbücher heraus, die den Advent zum Thema haben. Und davon haben wir Bücherjunkies gleich einen ganzen Karton voll. Wir verschlingen also mehrmals pro Tag eines von diesen Werken. Aneinander gekuschelt und ziemlich bedächtig. Meistens mit überschaubar wenig Text - dafür mit umso herzigeren Bildern, die sich wunderbar anschauen und besprechen lassen.


Als mein Sohn noch ganz klein war, hat es ihm aber ein weihnachtliches Buch ganz besonders angetan. Da ging es um eine Weihnachtsmaus, die auf jeder Seite einen anderen liebenswerten Unfug anstellte. Mal fuhr sie nachts heimlich mit der Spielzeugeisenbahn, mal schaukelte sie auf den Ästen des Christbaumes herum und mal kuschelte sie sich sogar in das Bett des Puppenhauses. Und auf einer Seite – das war der Grund, warum wir es immer und immer wieder lesen mussten/durften – griff die Weihnachtsmaus beherzt in den reichlich gefüllten Kekserlteller und naschte von den Leckereien. So, und auf diesem Teller lagen auch... nein, in diesem Fall keine Kuh-Kekse, sondern formschöne Schweine-Kekse! Normale Kekse in Schweineform. Was jetzt folgt, war klar, die wollte unser tierverrückter Sohn selbstverständlich unbedingt haben. In natura. „Rein Keksi“ hießen die bei ihm. (Das „Sch“ ging ihm damals noch nicht so recht über die Lippen.) Immer wieder mussten wir dieses Buch lesen und immer wieder forderte er lautstark das tierische Gebäck ein.


Also machte sich seine Großmutter auf die Suche nach einem Ausstecher in Schweineform, um ihrem Ruf als „Keksi-Oma“ gerecht zu werden. Meine ganz persönliche Back-Ära hab’ ich ja nach einem tragischen Kuhfladenunfall frühzeitig beendet (Hier nochmals der Link zu meinem Gastbeitrag auf Theresa Culligans Seite).


Als die Oma uns das nächste Mal besuchen kam, fuchtelte sie bereits nach dem Ausziehen der Schuhe mit der mitgebrachten Dose herum. Voller Vorfreude auf die leuchtenden Kinderaugen, die gleich folgen würden. „Was glaubst du, was hier drinnen ist?“, leitete sie das Spiel ein. „Kuh!“, kam wie aus der Pistole geschossen aus meinem Kind. Eh klar, damit lag er meistens richtig. Denn jeder wusste von seiner Leidenschaft und deshalb beinhalteten Geschenke an ihn meistens tatsächlich Kühe.


Langsam öffnete sie die Blechdose und zu sehen war gleich ein ganzer Schweinestall voll mit Sauen aus Teig. „Ui, die sehen ja fast so aus wie im Buch!“, dachte ich mir. „Die werden ihm gefallen.“ Laut sprach ich das allerdings nicht aus, weil ich gespannt auf seine Reaktion wartete. Das Patschhanderl meines Kindes wanderte langsam aber zielstrebig Richtung Dose. Der Reiz war offensichtlich groß. Er nahm einen Keks heraus. Beäugte ihn genau. Drehte ihn in alle Richtungen. „Is das, Mama?“, fragte er mich. „Ein Schweine-Keks, Schatzi!“, erklärte ich, war aber dennoch etwas verwundert. „Kuh?“, warf er nach und drehte das Ding weiter in seiner Hand. „Nein, ein Schwein. So wie im Buch mit der Weihnachtsmaus.“, wurde ich konkreter und wartete wieder auf seine strahlenden Augen.


Aber als ich da so stand und ganz gespannt in sein Gesicht blickte, sah ich doch tatsächlich eine kleine Träne. Mein Sohn weinte. Nicht bitterlich schluchzend, aber er weinte. „Kuh auch!“, tat er seinen Kummer kund. „Sind da auch Kuh-Kekse drinnen?“, ich schaute zu meiner Schwiegermutter. „Nein, nur die Schweine!“, bestätigte sie meine Bestellung vom Vortag.


Oh, mein Fehler! Damit hätte ich nicht gerechnet. „Kuh auch?“, schaute mein Muhnikat noch einmal durch die Runde. „Nein, keine Kuh, aber viele, viele Schweine!“ Er wischte sich die Träne ab und stopfte den Keks in seinen Mund. Er kaute und kaute. Und dann kam endlich das langersehnte Lächeln! Der Zucker schoss ein. Wie eine Rakete. Puhhhhh! Danke, dass du uns hier so tatkräftig unterstützt hast, du süßer Sündenbock!



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