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SCHWEINSBRATEN MIT DUDENKNÖDEL

Wenn wir bei meinen Schwiegereltern zum Essen eingeladen sind, dann hab’ ich immer meinen Duden dabei. Also, jetzt nicht leibhaftig, aber in meinem Kopf ist der immer präsent und vor allem uuuuunheimlich aktiv.

Im Herzen bin ich eine Urgrazerin. Dort geboren, dort aufgewachsen und viele Jahre dort gelebt. Ich fühlte mich immer als mehr oder weniger cooles Stadtkind und das war auch gut so. Danach die jahrelange Pendlerei zwischen Graz und Wien. Mit meinem Sohn und meinem Mann lebte ich dann zwei Jahre lang in Deutschland. Ebenfalls in einer Stadt. Und plötzlich – mit Kind Nr. 2 – sind wir aufs Land gezogen. Nach Niederösterreich. Aber so machen das ja viele. Weil hier kann man viel raus und hier gibt es einen großen Garten. Und, für uns das wichtigste Argument, hier leben auch die Schwiegereltern, ergo: Oma und Opa. Meine Kinder sollten mehr Familienkontakt haben und auch mit ihren Großeltern aufwachsen dürfen. Hier bekommen wir als arbeitende Eltern Unterstützung im herausfordernden Alltag. Da muss die Mama selbst zurückstecken und auf ihre geliebte Stadt verzichten. Ist so.

Im ersten Moment eine riesengroße Umstellung für mich, das muss ich zugeben. Also, das heißt jetzt nicht, dass ich die Menschen hier nicht schätze, aber es ist eben vieles ganz anders als gewohnt. Und darauf muss man sich erst einmal einstelle und einlassen. Weil plötzlich gibt es zum Beispiel „die Leit“ (= die Leute, für die Deutschen unter uns) und man muss schauen, dass „die Leit“ nicht schlecht über einen reden und so.

Gut, zurück zum Thema. Unsere Kinder haben schon ziemlich früh echt viel und sehr gut gesprochen, dass es uns teilweise selbst erstaunt hat. Liegt vermutlich daran, dass beide Kinder Bücher lieben und wir oft stundenlang im Marathon vorlesen und weil wir Erwachsene seit dem ersten Tag alles ganz genau kommentieren. Jeden Handgriff, jede Situation, jedes Gefühl. Wir legen auch Wert auf möglichst hochdeutsche Sprache und dass wir Wörter, die sie nicht kennen, auch kindgerecht erklären. Zwischendurch darf’s auch einmal ein Dialektausdruck sein, ist eh klar! Gehört ja schließlich dazu.

ABER: Nun leben wir im Weinviertel und... Wie soll ich’s sagen? Zwischendurch zermartert es mir das Hirn, wenn ich höre, dass meine Kinder in den niederösterreichischen Dialekt verfallen. Ein Dialekt, der natürlich - wie jeder andere Dialekt auch - ganz eigene Wörter verwendet. Aber vor allem ein Dialekt, der sich tatsächlich falscher Artikel bedient! Wirklich komplett falsch, echt!

Und wenn wir dann sonntags so zusammensitzen und da – abgesehen von mir - Weinviertlerisch geplaudert wird, dann kommt es schon mal vor, dass mein korrektes Oberlehrerinnenherz überhandnimmt. Aber so richtig. Ich weiß mir dann nicht anders zu helfen, als den imaginären Duden zu zücken und meinen Kindern immer wieder vorzusprechen, wie es denn richtig heißt. So groß ist meine Panik, ehrlich! Die Panik, dass meine Kinder einfach eine falsche Sprache lernen. Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich mehrheitlich, warum ich mich so aufrege, oder?! Liebe Menschen außerhalb Niederösterreichs, bitte, lasst euch das auf der Zunge zergehen und entscheidet dann selbst, ob das nur in meinen Ohren so unmöglich klingt?! Der Butter, das Marmelade, der Sieb, das Knödel, das Ball (zum Tanzen)

Ja, ja, ich weiß, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen! Wir Grazer sind zwar im Dialekt keine Steirer, reden natürlich auch nicht einwandfrei nach Duden, aber diese falschen Artikel haben wir nicht in Verwendung. Jaaa, ich weiß auch, Dialekte haben ihre Daseinsberechtigung und sollten bewusst gepflegt werden, aber ich mag sie so stark ausgeprägt einfach nicht. Ich bring’ es einfach nicht übers Herz, meine Kinder mit falscher Grammatik in die Schule zu schicken. À la Aufsatz 3. Klasse: „Heute zu Mittag gab es Schweinsbraten. Und meine Oma fragte mich, ob ich noch ein Knödel will.“ 1 FEHLER

Deshalb kämpfe ich für DIE Butter und DEN Knödel. Da werd’ ich nicht müde, ich sag’s euch! Mein Mann ist hier übrigens keine große Hilfe. Der ist nämlich ein sprachliches Chamäleon. Sobald er die Grenze zu Deutschland überschreitet, bestellt er sich eine Cola. Schlimmer geht’s ja als Österreicher kaum. Wenn er seine Mutter bittet, fragt er natürlich nach dem Butter. Und weil er weiß, dass ich sonst nicht darauf reagiere, ist es bei uns zu Hause die Butter, die er haben möchte. Weil den Butter kann er sich selbst holen!


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