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WUNDERVOLLES SCHLECHTES GEWISSEN

Habt ihr schlechtes Gewissen schon einmal richtig schreien gehört? Auweh, auweh, das ist nicht angenehm! Das geht einem als Mama ganz schön durch Mark und Bein. Der Grund: Ich wollte umziehen! Und mit mir die ganze Familie. Somit musste ich meinem 2-jährigen Sohn erklären, dass wir bald nicht mehr in unserer wunderschönen Wohnung sein werden, dass er sich nach so kurzer Zeit schon wieder von seinem wirklich wahnsinnig tollen Kindergarten verabschieden muss und dass wir sogar für immer das Land verlassen. Wie verklickert man das bloß einem Kleinkind, ohne dass es zu sehr darunter leidet?

Ich machte ihm das „neue Leben“ mit immer wiederkehrenden Geschichten schmackhaft. Mir war es wichtig, ihn gut vorzubereiten und auf all seine offenen Fragen einzugehen. Trotzdem schwang immer ein bisschen Wehmut und Trübsinn mit. Und dieses ungemütliche schlechte Gewissen funkte immer wieder dazwischen. Gut, aus heutiger Sicht war es keine Traurigkeit, weil ich das ja selbst so entschieden hatte, aber auf jeden Fall Melancholie. Vielleicht bildete ich mir das aber auch nur alles ein, kann sein, aber irgendwas machte mich unsicher im Mamaherzen.

Und deshalb hab’ ich mein Muhnikat schlussendlich bestochen. Ja, bestochen! Frei von der Leber weg habe ich mich dazu entschlossen, ihn ganz einfach mit einem nagelneuen Bauernhofzimmer zu bestechen! Ich wusste mir im Schweiß der ganzen Packerei und in meiner persönlichen Unsicherheit einfach nicht anders zu helfen. Gut, ich weiß schon, Kinder sind da zuhause, wo die Familie ist, und wo sie sich geliebt und gut aufgehoben fühlen, blablabla. Aber ich persönlich fühlte mich in diesem Moment einfach nur in dieser Form der Bestechung zuhause, da bin ich ganz ehrlich!

Wie vermutet, war das genau das richtige Mittel, um seine Vorfreude auf die neue Lebenssituation anzuheizen. Ich erzählte ihm von einer besonderen Kuh, von süßen Ferkeln und wolligen Schafen. Immer und immer wieder wollte er die Geschichten darüber hören, wie denn sein neues Zimmer aussehen würde. Beim Aufstehen, tagsüber und vor allem beim Einschlafen. Sogar meine grauenhaften Zeichnungen dazu versetzten ihn in Euphorie. Eigentlich ein Wunder. Denn ich bin eine Person, die zu den Generalisten gehört, ich kann nix wirklich gut und zu jenen Dingen, die ich so halbwegs beherrsche, gehört ganz bestimmt nicht das Zeichnen. Dementsprechend sehen meine Darstellungen auch aus. Trotzdem begeisterte mein Sohn sich sehr für meine Illustrationen.

Nun ja, was soll ich sagen, und weil mein schlechtes Gewissen von Tag zu Tag immer lauter in meinem Kopf schrie, bestellte ich ihm die allergrößte Kuh, die ich finden konnte. Eine Black Angus Kuh fast in Lebensgröße. Ich tüftelte in meinem Kopf (und im Baumarkt) an einem dazugehörigen Weidezaun, suchte in Onlineshops das von mir dringend eingebildete Futtergras für unechte Kinderzimmerkühe. Da war mir keine Spedition zu teuer und kein Aufwand zu groß, ich musste gaaaaanz dringend dieses schlechte Gewissen zum Schweigen bringen. Psssst, leise jetzt!

Dann war der Tag endlich, endlich gekommen: Als er ein paar Wochen später zum ersten Mal sein Zimmer betrat, war die Faszination in Worte nicht zu fassen. Er liebte sein neues Zimmer auf Anhieb und er erkannte alle feinen Details wieder, von denen ich ihm davor erzählt und die ich so oft laienhaft hingekritzelt habe. Alle feinen, von mir liebevoll zusammengesuchten Details, die ich anbrachte, während er bei seiner Oma war. Er schlief in dieser ersten Nacht ganz freiwillig in seinem neuen Reich. Ruhig und zufrieden. Danke, schlechtes Gewissen, dass du so etwas Wundervolles zustande gebracht hast! Und noch am selben Abend verstummte auch die grausame Schreierei in meinem Kopf.


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